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Eigentlich
hätten sie sich vertragen müssen, kamen sie doch etwa zur selben Zeit
aus ungefähr demselben Teil der Welt nach Europa und hatten hier auch
beide einen recht guten Start. Die Leisepfotigen teilten die Klausen mit
den ersten frommen Einsiedlern und hielten die Mäuse von deren Brot
fern.
Eine
bezeichnende und oft wiedergegebene Geschichte aus der Zeit des frühen
Christentums, ob wahr oder Legende, sei hier kurz erzählt: Um das Jahr
600 kam ein Wandermönch nach Rom und stand vor Papst Gregor I. Um die
Demut und den Gehorsam des Mönches zu prüfen, verlangte der Papst von
ihm: "Opfert Euer Liebstes!" Da zog der fromme Mann seine kleine Katze
aus dem Ärmel seiner Kutte. Der Papst winkte lächelnd ab und holte
ebenfalls eine Katze aus dem Ärmel. Jahrhundertelang genoss die Katze im
christlichen Europa uneingeschränktes Ansehen. Vor allem die einfachen
Leute sahen in dem "M" auf der Stirn vieler getigerter Katzen das Siegel
der Mutter Maria. In den Klöstern einiger Nonnenorden war die Katze das
einzig erlaubte Haustier. In frommen Darstellungen wurde der Jungfrau
Maria immer wieder auch ein Kätzchen beigegeben.
Im frühen
Mittelalter wendete sich dann das Blatt zu Ungunsten der Katze.
Religiöser Fanatismus, WeItuntergangsglaube, Sinnes- und
Frauenfeindlichkeit bestimmten das Denken der geistlichen und weltlichen
Herren. Das kirchliche Machtstreben richtete sich in erster Linie gegen
alle Überreste heidnischen Volksglaubens. Man suchte ein Feindbild und
fand es in der geheimnisvollen, eigenwilligen, nicht zu unterwerfenden
Katze. Bewies sie nicht durch die lustvolle Betonung ihrer Sexualität
zur Genüge ihre Verderbtheit? Die Kirche erklärte sie kurzerhand zum
Teufelstier , und von nun an blies ihr der eiskalte Wind der Verfolgung
entgegen. Zu Tausenden wurden sie auf den Scheiterhaufen verbrannt,
allein oder zusammen mit den der Hexerei angeklagten Frauen.
Zum
Glück hat der Mensch wenigstens in dieser Beziehung seinen Verstand und
die Vernunft wieder gefunden, zum Wohl unserer süßen >Schmusies<.
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